Neid der Besitzlosen
By Judge Dredd • Nov 8th, 2005 • Category: TrashHierüber (http://www.ingmar.at/index/aktenvermerk/trackbacks/440/) mussten wir aufgrund der guten “Schreibe” lange lachen, was aber nicht heißen soll, dass es um den Wahrheitsgehalt dieses “Leitfadens” besonders gut bestellt ist:
Wie man ein Blog nicht beginnt
Kleiner Leitfaden ‘Wie man ein Blog nicht beginnt’, in 10 einfachen Lektionen:
Zunächst benötigt das Blog einmal einen möglichst einprägsamen Domainnamen (Nur Anfänger bloggen bei blogger.com). Am besten einen, der sich von vorhandenen und etablierten Sites nur um ein paar Buchstaben unterscheidet. jurablogs.com (und ein paar ähnliche andere) gibts es schon, was liegt also näher als z.B. jurablo.gs? (Eine Nahebeziehung zu Südgeorgien und den Südlichen Sandwichinseln muss dabei nicht glaubhaft gemacht werden.)
Legen Sie sich ein lustiges Pseudonym zu. Eine Nahebeziehung zum Recht sollte dabei erkennbar sein.
OK, das hätten wir, passende Blogging Software ist schnell installiert. Nächster Schritt: Eine kontroversielle Ankündigung, das schafft Linkpopularität. Lassen Sie sich dabei nicht zu tief in die Karten schauen, je vager und kontroversieller, desto besser. Bestreiten Sie vehement den Werbecharakter einer Ankündigung, und betonen Sie gleichzeitig ihre Seriosität (”… werden nur rechtskräftig verurteilte Anwälte aufgelistet. Dies zu veröffentlichen ist gestattet.”) Reagieren Sie auf Fragen nach Möglichkeit gar nicht, knapp oder jedenfalls unwirsch. Mit ‘Kritischen Stimmen’ müssen Sie natärlich rechnen (der Neid!). Behaupten Sie, das alles werde ‘in den nächsten Tagen ge- und erklärt werden’.
Protzen Sie mit einem unnatürlich hohen Pagerank (Achtung: PR 10 haben nur Google und der Liebe Gott, auch PR 9 nur eine Handvoll Webseiten. Seien Sie realistisch.) Kritische Stimmen bringen Sie mit dem Hinweis zum Verstummen, dass Sie auf über 3000 Backlinks verweisen können. Da werden ja wohl auch welche mit PR 8 oder 9 dabei sein und ‘dann geht das schon so in Ordnung’. Auf den Hinweis, dass diese Seiten allesamt auf underconstruction.networksolutions.com verweisen, ihre Domain überhaupt nicht erwähnt wird, und viele davon auch deutlich älter als die eigene Domain sind, reagiern Sie patzig und persönlich, oder vorzugsweise gar nicht. Am besten ist es, seinen Kritikern technische Inkompetenz vorzuwerfen.
Suchen Sie die Konfrontation mit etablierten Bloggern. Sie können nur gewinnen, und machen sich auf diese Weise schnell einen Namen in der Blogosphäre. Merke: Inhalte lassen sich fast immer durch Untergriffe und argumenta ad hominem ersetzen. Sie können natürlich auch gegen eine sonstige bekannte Non-Profit-Institution (die haben meist keine Rechtsabteilung) im Internet vorgehen. Wikipedia ist ein logischer und bestens geeigneter Kandidat. Dass der PR-Artikel über die eigene Firma bei Wikipedia zur Löschung vorgeschlagen gelöscht wurde, werfen Sie am besten dem Betreiber eines anderen Blogs vor. Immerhin wurde der Artikel von 2 Admins überprüft und akzeptiert, oder etwa nicht?
Wenn das alles noch nicht reicht: Missverstehen und beleidigen Sie Kommentatoren in anderen Blogs, verdrehen Sie Ihnen das Wort im Mund, oder für Fortgeschrittene drohen Sie mit Klagen. Gehen Sie hart und rigoros gegen Kritiker vor. Anonyme Poster müssen ausgeforscht (”… dessen Identität wir im übrigen jetzt kennen”) und nach Möglichkeit zur Strecke gebracht werden. Verwenden Sie einstweilige Verfügungen, wenn es ihrer Sache dient. Unreflektierte Rundumschläge sind Ihrer Sache in jedem Fall dienlich.
Angriff ist die beste Verteidigung! Greifen Sie tief in die Schmutzkiste. Behaupten sie, Ihre Gegner würden sie seit Tagen auf übelste Art und Weise beleidigen, und mit Unterstellungen überhäufen. Begriffe wie verleumderisch, unhaltbare Mutmassungen oder geschäftsschädigende Äußerungen sollten zu ihrem Standardrepertoire gehören. Ein dezent eingestreuter Hinweis, wie teuer es werden kann wenn man sich mit jemandem anlegt, der mit Großunternehmen Umsätze generiert, die zu verlieren, zu erheblichen Schadenersatzforderungen gegen die Verantwortlichen derartiger Äußerungen führen würde kann nicht schaden. Unterstellen sie allen anderen, bloß Angst zu haben (egal wovor: Dem Projekt an sich, der Konkurrenz, dem eigenen Pagerank. Es spielt keine Rolle.) Für Fortgeschrittene: Setzen Sie Fristen (”Wir geben ihnen zwei Tage …”) ohne erkennen zu lassen, was sie danach tun wollen.
Ganz wichtig: Sprechen Sie allen anderen Kompetenz ab. Diminutiva und apostrophierte Bezeichnungen (”Pagerank Fachmann” macht sich gut) sind dazu hervorragend geeignet. Bezeichnen sie Ihre Gegner als grosse IT-Experten oder noch grössere Experten auf dem Gebiet der Rechtswissenschaften, und vergessen Sie vor allem nicht, hin und wieder eine ominöse Drohung (siehe oben) einzuflechten (”Stil, der den Betreiber dieser Site selbst in ernste Schwierigkeiten bringen kann”). Empfehlen Sie anderen z.B. sich in ihr eigenes Rectum zurückzuziehen. Sie werden die Lacher auf Ihrer Seite haben. Bewegen Sie sich prinzipiell an der Grenze der Ehrenbeleidigung, oder zumindest des guten Geschmacks. Ein besonders dickes Fell ist dabei nicht notwendig, wer gut austeilen kann, muss deswegen ja noch lange nicht gut einstecken können.
Versuchen Sie, die Diskussion langsam auf ihr Blog umzuleiten (”… antworte ich nur noch auf unserem Blog und nicht mehr hier …”), sonst hätten Sie’s ja gleich lassen können, nicht wahr? Achten Sie dabei darauf, Kommentare auf jeden Fall nur nach Registrierung zuzulassen. Oder wollen Sie eine Plattform für Nörgler und Querulanten zur Verfügung stellen, die nicht in der Lage sind, sachlich zu argumentieren? Oder vielleicht mit idiotischen Kommentaren zugeballert werden? Na eben.
Korrigieren Sie Ihr Impressum erst nach Aufforderung, aber vermeiden Sie dabei bitte nach Möglichkeit eine natürliche Person anzugeben. Profis wählen ein lustiges Pseudonym (siehe oben) und schieben idealerweise eine im Ausland ansässige Ltd. oder ähnliches vor; das schafft Vertrauen. (Unangenehme Fragen nach dem Stammkapital kann man mit ‘Hoch genug’ abschmettern.)
Spezialtipp: Alles im Leben ist käuflich. Um den Wert der eigenen Domain zu verdeutlichen kann man diese auch gleich im hauseigenen Webshop zum Verkauf anbieten. Eine viertel Million ist eine gute Verhandlungsbasis.
Hinweis: Die in Anführungszeichnen gesetzten Aussagen dieser Satire wurden allesamt den Artikeln und Kommentaren auf lawblog.de, muepe.de, uwe-tetzlaff.de, lawgical.jura.uni-sb.de, bloggingtom.ch und schließlich jurablo.gs entnommen. So weit technisch möglich, wurden Trackbacks gesetzt.
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